Agri-Photovoltaik als innovative Lösung für die Energiewende


Ich glaube daran, dass die Energiewende besser gedacht und gemacht werden kann. Wir müssen den ländlichen Raum sowohl für die Landwirtschaft als auch für die solare Energieerzeugung und mehr Biodiversität gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickeln. Nur ein ausbalancierter Interessenausgleich zwischen nachhaltiger Energie- und Lebensmittelerzeugung kann wahrgenommene Flächenkonkurrenzen in einem gesellschaftlichen Konsens auflösen. Aus einem „entweder oder“ muss ein „sowohl als auch“ werden – als Leitbild für die Nutzung von Agrar- und Kulturlandschaften von morgen. So leisten wir unseren Beitrag, um dem Klimawandel entgegenzutreten und wertvolle Lebensräume für Menschen zu schaffen.

Die Herausforderungen bei der Umsetzung der Energie- und Agrarwende sind vielfältig. Zum einen müssen wir ambitionierte wie notwendige Klima- und Ressourcenschutzziele umsetzen, zum anderen steigen die Nachhaltigkeitsansprüche in der Landwirtschaft. Landwirtinnen und Landwirte sehen sich mit einer Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik genauso konfrontiert, wie mit immer deutlicher werdenden Klimafolgen in ihren Betrieben. Zudem ist Solarstrom marktfähig, was einen regelrechten Run auf Flächen und Gemeinden auslöst. Viele Gemeinden sehen sich mit der Flut von Anträgen und der Unwissenheit über die Möglichkeiten der Teilhabe überfordert. Gleichermaßen sehen sich viele Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum im Stich gelassen, welche das Gefühl haben, dass die Energiewende allein auf ihren Schultern liegt beziehungsweise zu ihren Lasten umgesetzt wird. So entsteht eine Gemengelage aus vielen wahrgenommenen Interessens- und Flächennutzungskonflikten

Es braucht innovative Lösungen wie Agri-Photovoltaik zum Gelingen der Energiewende

Wir entwickeln Solarvorhaben mit Mehrfachnutzungskonzepten, um diese wahrgenommenen Nutzungskonflikte aufzulösen und Akzeptanz zu schaffen. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen bringen wir Umweltschutz, Landwirtschaft und Energiegewinnung miteinander in Einklang. Unsere Vorhaben werden zudem wissenschaftlich begleitet, um auf diesem für Deutschland noch recht jungen, wie viel versprechenden Gebiet Lernkurven mit Strahlwirkung zu fördern. Darüber hinaus bieten wir attraktive Teilhabeoptionen direkt für die Bürgerinnen und Bürger der Standortgemeinden.

Um diesem selbst gesetzten Anspruch gerecht zu werden, braucht es Flächen mit ausreichenden Gestaltungsräumen in der Größenordnung von ca. 70 ha. So können wir auch sicherstellen, dass die Solarvorhaben ohne staatliche Förderung (EEG-Umlage) realisiert werden, d.h. ohne die Stromrechnungen von Verbrauchern zusätzlich zu belasten. Ausgangspunkt ist die Verwendung von PV-Trackingsystemen bei der Aufständerung. Diese Technologie wird heute schon bei 40% der weltweit neu installierten Freiflächenanlagen verwendet. Diese führen höher aufgestellte innovative Solarmodule der Sonne nach, sodass ein Mehrertrag bei breiteren Reihenabständen zwischen den Modulreihen erzielt wird. So fällt die energetisch optimierte Auslegung ideal mit den Anforderungen der Landwirtschaft (bspw. Licht-, Wasser-, Erosions-Management) zusammen.

Diese Aufstellung kommt gleichzeitig der Steigerung der Biodiversität zu gute. Durch gezielte Maßnahmen, wie Ausgleichsflächen innerhalb der Anlage und bspw. mehrjährige Blühstreifen wird der belegte ökologische Mehrwert von Solarparks zusätzlich erhöht. Ziel des Mehrfachnutzungskonzepts ist es, einen möglichst großen Optionsrahmen für die landwirtschaftliche Nutzung zu schaffen, um auf künftige Markt- und Klimabedingungen reagieren zu können. PV-Pachteinnahmen stabilisieren die wirtschaftliche Situation der Betriebe zusätzlich, ohne deren Grundfunktion und Identität grundsätzlich zu verändern. Dies ermöglicht auch Spielräume für Neuausrichtung und weitere Investitionen – ganz unabhängig von der momentanen Ertragslage des Kerngeschäfts und den entsprechenden Subventionen.

Dies gilt auch für Standorte mit kleinteiligen Eigentümerstrukturen oder komplexen Pachtverhältnissen. Für Interessenskonflikte zwischen Grundstückseigentümern und Pächtern bzw. Landwirten stehen Modelle bereit, die ganz im Sinne des Mehrfachnutzens garantieren, dass alle Beteiligten bessergestellt werden.

Auf Basis von (geodatenbasierten) Standortanalysen und faunistischen Voruntersuchungen entwerfen wir mit den Betrieben und der landwirtschaftlichen Expertise des Elysium-Beirats in Person von Prof. Dr. Klaus Müller des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. und der Humboldt-Universität zu Berlin individuelle Standortkonzepte.

Menschen samt deren Interessen und Bedenken vor Ort kennen und verstehen – Nur dann findet sich gemeinsam das bestmögliche Solarvorhaben für die Region

Gesellschaftliche Akzeptanz ist die eigentliche knappe Ressource der Energiewende. Gemeinden müssen für Solarvorhaben Baurecht schaffen. Deshalb sollten Standortgemeinden in besonderer Weise von dem Vorhaben profitieren. Unsere Angebote der Teilhabe für Bürgerinnen und Bürger sind daher, dass diese vergünstigten Grünstrom aus einem PV-Kontingent beziehen können und sich direkt über Nachrangdarlehen ökonomisch an den Solaranlage beteiligen können. Gemeinden können so mitgestalten, welche Vorhaben den größten regionalen Mehrwert für sie haben.

Subventionsfreie PV-Mehrfachnutzung ist ein Element für gesellschaftliche Akzeptanz und für das Gelingen der Energiewende wie auch des regionalen Strukturwandels. Insofern sind alle Bemühungen hinsichtlich deren Förderung und Umsetzung zu unterstützen.

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