Das EEG 2027 wird gerade im Bundestag beraten – und droht, Agri-PV wirtschaftlich an den Rand zu drängen. Warum die Doppelnutzung von Flächen einen eigenen Platz im EEG braucht und was jetzt nachgebessert werden muss.
Agri-PV verbindet, was lange als Gegensatz galt: Landwirtschaft und Solarstrom auf derselben Fläche. Politisch ist das gewollt. Doch der aktuelle Entwurf für das EEG 2027 gibt der Technologie nicht den Rahmen, den sie für den Markthochlauf braucht. Als Mitglied im Verband für nachhaltige Agri-PV (VnAP) setzen wir uns deshalb dafür ein, dass der Entwurf im parlamentarischen Verfahren nachgebessert wird.
Die Ausgangslage: Das EEG wird neu geschrieben
Das Bundeskabinett hat die EEG-Novelle 2027 am 29. Juli 2026 beschlossen, nun berät der Bundestag. Bei der Solarenergie setzt die Bundesregierung stärker auf kostengünstigere Freiflächenanlagen. Für Agri-PV bleibt dabei wenig übrig.
Der Entwurf sieht für Agri-PV nur noch einen Bonus von 0,5 Cent pro Kilowattstunde vor, gebunden an Mindesthöhen der Aufständerung. Das eigene Ausschreibungssegment für besondere Solaranlagen soll entfallen. Damit fiele der bislang zentrale regulatorische Rahmen für Agri-PV weg.
Zur Einordnung: Das Solarpaket I hatte 2024 ein eigenes Untersegment mit höherer Förderung für besondere Solaranlagen eingeführt. Wegen der fehlenden beihilferechtlichen Genehmigung der EU-Kommission wurde es aber nie angewendet. Statt diesen Rahmen endlich wirksam zu machen, droht nun der Rückschritt.
Agri-PV ist aufwendiger – und leistet mehr
Eine Agri-PV-Anlage ist kein Solarpark mit etwas Grün darunter. Die Module stehen höher oder in größeren Abständen, damit Traktoren, Pflanzen und Tiere ihren Platz behalten. Das kostet mehr in Planung, Bau und Betrieb – dafür bekommt die Gesellschaft deutlich mehr zurück.
Agri-PV spart Fläche. In Deutschland gehen täglich rund 55 Hektar Agrarland für Siedlung und Verkehr verloren, während der Solarausbau bis 2040 schätzungsweise 280.000 Hektar benötigt. Agri-PV löst diesen Konflikt, weil Äcker und Weiden weiter bewirtschaftet werden.
Agri-PV schützt Ernten. Die Module mindern Schäden durch Hagel und Hitze und verringern die Verdunstung. Das ist ein echter Beitrag zur Klimaanpassung, gerade in trockenen Regionen wie Brandenburg.
Agri-PV entlastet die Netze. Nachgeführte und Ost-West-ausgerichtete Anlagen liefern viel Strom am Morgen und am Abend, wenn der Bedarf hoch ist.
Agri-PV stärkt den ländlichen Raum. Landwirtschaftliche Betriebe gewinnen ein zweites, verlässliches Standbein, und die Wertschöpfung bleibt in der Region. Das schafft Akzeptanz für die Energiewende vor Ort.
Was auf dem Spiel steht
Ohne eigenes Segment müssten Agri-PV-Anlagen direkt gegen konventionelle Freiflächenanlagen antreten, die günstiger zu errichten sind. Formal bliebe Agri-PV zulässig, wirtschaftlich würde sie aber an den Rand gedrängt. Verloren gängen genau die Projekte, die Fläche sparen, Akzeptanz schaffen und Landwirtschaft integrieren.
Das steht im Widerspruch zum Koalitionsvertrag. Darin haben CDU, CSU und SPD festgehalten, auf Flächenschonung zu achten und Doppelnutzungen wie Agri-PV zu erleichtern.
Unsere Forderungen
Gemeinsam mit dem VnAP fordern wir, den Entwurf in drei Punkten nachzubessern:
- Eigenes Segment erhalten: Größere Agri-PV-Anlagen über 1 MWp brauchen weiterhin ein gesondertes Ausschreibungssegment, damit sie fair gegen vergleichbare Projekte antreten.
- Kleine Anlagen fördern: Anlagen unter 1 MWp sollen weiterhin eine höhere Vergütung außerhalb der Ausschreibungen erhalten. So können auch einzelne Höfe einsteigen.
- Netzdienlichkeit anerkennen: Der Beitrag von Agri-PV zur Stabilität des Stromnetzes muss in den geplanten Resilienzausschreibungen berücksichtigt werden.
Jetzt ist die Zeit, nachzubessern
Mit den Beratungen im Bundestag ist das EEG 2027 noch nicht beschlossen. Das ist die Chance, den Entwurf zu korrigieren. Wer Flächen schonen, die Landwirtschaft stärken und die Energiewende in der Fläche verankern will, muss Agri-PV auch wirtschaftlich möglich machen.
Agri-PV gehört ins EEG – mit Regeln, die ihren Mehraufwand abbilden und ihren Mehrwert anerkennen.
Foto: INES fotografie Berlin

