Vor den Toren Berlins, in der Gemeinde Schönefeld, verbindet Deutschlands größtes Agri-PV-Projekt mit Ackerbau ökologische Landwirtschaft, erneuerbare Energieerzeugung, Biodiversitätsförderung und wissenschaftliche Begleitforschung auf einer Fläche.
Das Projekt zeigt, dass Solarenergie und Landwirtschaft auf derselben Fläche möglich sind. 74.064 Solarmodule erzeugen Grünstrom für bilanziell rund 16.500 Haushalte. Durch die nachgeführten Module und besonders breite Reihenabstände bleiben die Zwischenräume landwirtschaftlich nutzbar – Traktoren und Mähdrescher können weiterhin eingesetzt werden.
Mindestens 90 Prozent der rund 76 Hektar bleiben nach DIN SPEC 91434 landwirtschaftlich nutzbar und werden zusätzlich gegen Klimaveränderungen geschützt. Die Bewirtschaftung erfolgt in Kooperation mit einem lokalen landwirtschaftlichen Biobetrieb aus Brandenburg. Die verbleibenden Flächen schaffen ökologischen Mehrwert für Flora und Fauna und bieten Raum für Ausgleichs-, Ersatz- und Sichtschutzmaßnahmen.
Bifaziale Module auf einachsigen 2P-Trackern folgen der Sonne. In mehreren Metern Höhe angebracht, liefern sie höhere Energieerträge – vor allem an den Tagesrandzeiten – und ermöglichen größere Arbeitsbreiten zwischen den Reihen.
Die Reihen stehen rund 11 Meter auseinander und sind nach Nord-Süd ausgerichtet. Daraus ergibt sich eine effektive Arbeitsbreite von rund 9 Metern. Ein Batteriespeicher ist als spätere Erweiterung mitgeplant.
Blühstreifen und Feldgehölze – ein Anteil von 10 % wird angestrebt – schaffen Lebensräume für Vögel und Insekten. Ansitzwarten, Bruthöhlen und Insektenwälle kommen hinzu; die umzäunte Anlage wirkt als Rückzugsort für Flora und Fauna.
Über die Projektlaufzeit von 30 Jahren kommen ausschließlich biologische Düngung und biologischer Pflanzenschutz zum Einsatz. Das fördert Humusbildung und CO₂-Bindung im Boden. Nach dem garantierten Rückbau erhält der Landwirt eine biologisch höherwertige Fläche zurück.
Die Anlage wird im F+E-Vorhaben „Untersuchung und Bewertung von Agri-PV-Anlagen" wissenschaftlich begleitet – von TU Dresden, Bosch & Partner, dem Professor Hellriegel Institut e. V. und dem Fraunhofer ISE. Schönefeld ist eines von sechs Fallbeispielen.
Von 2025 bis 2027 werden Vegetation, Vögel, Insekten, Reptilien sowie Klein- und Mittelsäuger erfasst, dazu Landschaftsbild und Mikroklima. Ziel sind Empfehlungen für eine naturverträgliche Ausgestaltung von Agri-PV-Anlagen.
© Ines Fotografie Berlin
© GOLDBECK SOLAR
© GOLDBECK SOLAR
Wir brauchen innovative Lösungsansätze für die Folgen der Klimaveränderung. Ein Weiter-So auf den Brandenburger Böden ist zukünftig kaum möglich.
Sven Geelhaar, Biolandwirt

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