Agri-PV verbindet Solarenergie und Landwirtschaft auf ein und derselben Fläche – und gewinnt als Lösung für die Herausforderungen unserer Zeit zunehmend an Bedeutung. Das Forschungszentrum Jülich forscht intensiv zu diesem Thema. Im aktuellen Interview erläutern Dr. Matthias Meier-Grüll und Doktorandin Chantal Kierdorf, warum Agri-PV weit mehr bietet als reine Stromproduktion.
Doppelnutzung statt Flächenverlust
Bei Agri-PV-Anlagen werden Solarmodule so aufgestellt, dass darunter oder dazwischen weiterhin Landwirtschaft möglich bleibt – ob Ackerbau, Obstanbau oder Gemüseproduktion. Die Fläche geht also nicht verloren, sondern wird doppelt genutzt. In Zeiten von Klimawandel, Energiekrise und wachsender Flächenkonkurrenz ist das ein entscheidender Vorteil. Hinzu kommen weitere Synergien: Die Module spenden Schatten, schützen vor Hagel und Starkregen, helfen Wasser im Boden zu halten und fördern die Biodiversität.
Kosten im Kontext betrachten
Eine viel diskutierte Studie des Thünen-Instituts kommt zum Schluss, dass Agri-PV im Vergleich zu klassischen Photovoltaik-Freiflächenanlagen derzeit teurer ist. Doch wie Chantal Kierdorf betont, greift ein reiner Stromkostenvergleich zu kurz. Die Studie basiert auf Kostendaten aus dem Jahr 2023 – seitdem sind die Preise bereits gesunken. Außerdem ist Agri-PV eine junge Technologie, die noch am Anfang ihrer Lernkurve steht, während klassische Freiflächenanlagen seit Jahren optimiert werden.
Entscheidend sind die Zusatznutzen: Die landwirtschaftliche Fläche bleibt erhalten und trägt weiter zur regionalen Lebensmittelversorgung bei. Agri-PV-Anlagen können die Stromerzeugung gleichmäßiger über den Tag verteilen und so das Stromnetz entlasten. Betriebe können den Strom direkt selbst nutzen. Und da der landwirtschaftliche Flächenstatus erhalten bleibt, können steuerliche Vorteile entstehen.
Was Agri-PV jetzt braucht
Damit Agri-PV schneller günstiger wird, braucht es vor allem mehr Praxisprojekte. Wie Dr. Meier-Grüll erklärt, kennt man diesen Effekt aus der klassischen PV: Je mehr Anlagen gebaut werden, desto weiter sinken die Kosten durch Standardisierung und technische Weiterentwicklung. Eine gezielte Förderung in der Aufbauphase – die gemessen am gesamten EEG-Volumen überschaubar wäre – kann diesen Hochlauf beschleunigen.
Parallel dazu begleitet die Forschung kommerzielle Projekte wissenschaftlich, um zu verstehen, welche Pflanzen mit welchen PV-Systemen am besten harmonieren. Erste Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Kombinationen sowohl die Strom- als auch die Ernteerträge verbessern können.
Fazit
Agri-PV ist mehr als eine Nischentechnologie – es ist ein vielversprechender Ansatz für die nachhaltige Flächennutzung der Zukunft. Wer die Technologie nur über den Strompreis bewertet, verkennt ihr volles Potenzial für Landwirtschaft, Energiesystem und regionale Wertschöpfung.
Zum vollständigen Interview:
https://www.fz-juelich.de/de/aktuelles/news/pressemitteilungen/2026/agri-pv-mehr-als-nur-strom-vom-acker

